Zeitungsartikel des OGA

 Montag, 14. April 2014 Oranienburger Generalanzeiger

 

Ein Fest für das Runge Gefühl

 

Katja Schrader

Wenn Schulleiter Uwe Seidler am frühen Abend einen Wunsch für seine Schule auf einen Zettel schreibt und ihn an einem Luftballon befestigt, in den Himmel schickt, dann müsse nicht darauf stehen, dass sie die nächsten 100 Jahre überstehen soll. „Die sind sowieso sicher“, sagt er. Vielmehr wünsche er sich, dass in der täglichen Arbeit vor allem an das Wohl der Kinder gedacht werde. „im Mittelpunkt stehen die Kinder. Dafür ist die Schule da.“ 100 Jahre ist das Friedlieb-Ferdinand-Runge Gymnasium alt. Sonnabend wird das kräftig gefeiert. Schon zu Beginn drängen sich jetzige und ehemalige Schüler, Lehrer und Familien auf dem Schulhof. Die Sonne strahlt, während das Programm auf der Bühne beginnt.

 

 

Uwe Seidler kommt nicht durch die Menge, ohne jeden Besucher zu begrüßen. „An solchen Tagen sieht man den Zusammenhalt. Dieses Runge Gefühl – heute und hier merkt man es“, sagt Seidler. Heute sollten die Lehrer feiern, Erinnerungen austauschen und Spaß haben. Die meisten, die sich durchs Schulhaus bewegen, haben fröhliche Gesichter. Die ehemaligen Schüler begutachten das neue Gebäude. „Die alte Schule richt noch nach Runge, nach rauchenden Köpfen und nach positiv gemeintem Respekt. Das fehlt der neuen noch“, so Lisa Gahlbeck. Bis 2011 ist sie auf das Gymnasium gegangen. „Dies ist eine sehr anspruchsvolle Schule. Hier reicht es nicht, etwas gut zu machen. Man muss auf alles noch ein I-Tüpfelchen setzen“, erinnert sich Lisa Gahlbeck. Das, was ihr die Schule mitgegeben habe, helfe ihr bei ihrem jetzigen Studium immer wieder. Bei jeder möglichen Gelegenheit, besuchen sie und Freundin Marion Keller die alte Schule. Die schwärmt für Schulleiter Seidler. „Ich hab diesen Mann geliebt. Der ist cool und behandelt jeden Schüler gleich und gerecht“, sagt sie. Eine Ausstellung im Innenhof der Schule zeigt die Jahrgangsbilder der Abiturienten von 1975 bis heute. Viele Besucher suchen sich darauf. Ariane Lehmann die 2008 die Schule beendete, findet sich. „Ich liebe diese Schule aufrichtig“, sagt sie. 2004 habe sie gegen die Schließung der Schule protestiert. Nun steht ein neues Haus hier. „Die Schule ist etwas ganz Besonderes. Hier geht es noch um Qualität. Es gibt hier keine 08/15-Lehrer. Hinter jeder Aktion stecken Herz und Kopf. Hier fühlt man sich ein und lässt den Kindern ihren Raum, groß zu werden“, so Ariane Lehmann. Ihren Wunsch Lehrerin zu werden, habe die Schule entscheidend beeinflusst. Während der Kurs Darstellendes Spiel das Stück „Die Zauberin von Oz“ auf die Bühne der Aula im alten Haus bringt, schleichen Uschi und Klaus Westphal durch die alten Schulflure.

 

1958 habe sie das Abitur auf der Runge Schule gemacht. „Es war die die schönste Zeit des Lebens“, sagt Uschi Westphal. Ihr Mann Klaus sei mit ihr in eine Klasse gegangen. Gefunkt habe es erst später. Beider erinnern sich an die Winter, in denen der Heizkessel nicht funktionierte oder die Kohlen knapp waren und der Unterricht in den benachbarten Schule stattfinden musste. „Es hat sich so viel verändert. Wenn man die sechseckigen Räume sieht und die elektronischen Tafeln, dann staunt man nur. Überall kann man durchsehen. Da kann man sich begucken, wie im Glaskasten“, so Klaus Westphal. Und wenn man rausgeschmissen werde, könne man sich heute kaum noch verstecken, sagt seine Frau. Siebtklässler verkaufen die blauen T-Shirts mit dem Logo der 100-Jahr-Feier des Gymnasiums. „Die gibt es nur heute und nur 150 Stück davon“, sagt Martin Petermann. Der Dichtergarten wird festlich eingeweiht.

 

Ein Runge-Film wird uraufgeführt. Das Programm ist bis zum Abend vielfältig und bunt wie die Schule. Und gegen 18 Uhr steigen Luftballons mit Zetteln auf denen Wünsche geschrieben sind vom Schulhof des 100-jährigen Gymnasiums in den Himmel.